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von Elke Hofmann / am 02.02.2018 / in
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Also nach dem ganzen Rumgejammere der Bordfrau muss ich, na ja, mich hier auch mal wieder zu Wort melden!

So geht das schliesslich nicht. Ein Jahr werde ich hier lieblos an Land geparkt, kein Schwein (geschweige denn Mensch) kümmert sich so wirklich um mich. Dann fallen sie ohne Vorwarnung mitten im Dezember über mich her, jammern und stöhnen, sitzen aber erstmal meist nur tatenlos rum und stöhnen noch mehr über das Klima, über die Hitze, die Sonne und was weiss ich. Regnet es, wird auch gestöhnt: jetzt müssen auch noch die Luken dicht gemacht werden. Zum Glück hat es nicht so oft geregnet und zum Glück haben SIE sich oft im klimatisierten Aufenthaltsraum aufgehalten. Da gibt es nämlich das, was sie WIFI nennen und was ihnen den Zugang zum Rest ihrer Welt ermöglicht. Per Email, Whatsapp und wie das ganze Tralafiti Zeug sich so nennt. Und gehen gefühlt 5x am Tag zum duschen, weil sie ja so schwitzen. Was soll ich denn da sagen?? Mich hat keiner geduscht im letzten Jahr.

Berichte haben SIE sich anfangs noch verkniffen, zum kochen konnten sie sich auch nicht gross aufraffen. Irgendwie war noch Ruhe im Karton bzw. Schiff. MAN(N) musste erst mal ankommen, sich akklimatisieren.

Dann ging es ans grosse Auf- und Ausräumen, ans Putzen und Entsorgen. Leichter geworden bin ich irgendwie trotzdem nicht, das war wohl eher ein Umschichten.

So kam und ging Weihnachten, so wurde Silvester verbracht. Mit Ausflügen in die Stadt (natürlich ohne mich), mit Einkaufen fahren und Rumlungern.

Dann ging es los: Deck schrubben, Edelstahl vom Flugrost befreien, Impeller wechseln, Winschen warten. Lange Gesichter, als die Ankerwinsch ihren reibungslosen Dienst verweigerte. Tja, Leute, mit mir nicht!! So kleine Seitenhiebe kann ich mir halt nicht verkneifen.

Im neuen Jahr ging es dann auch an meinen  Unterwasserbauch. Sorgenvolle Blicke waren ja schon längst drüber gewandert. Gab es da doch einige Stellen, an denen sich das in 2016 so sorgsam aufgetragene Antifouling wellenförmig aufgeschubbelt hatte. Und die Bordfrau warf mehrere argwöhnische Augen auf den Borddurchlass der den Kühlschrank mit Wasserkühlung versorgt. Der sähe nicht so gut aus meinte sie zum Skipper, was der erstmal abtat. Sie schon wieder. Ein bisschen Sikaflex drumherum, dann wäre das wieder gut. Soso. Na, jetzt wird erstmal das Antifouling erneuert. Ob das Echolot wohl noch richtig arbeitet, das sieht doch sehr zugewachsen aus, wie bekommt man wohl die Muschelreste ab??

Dann wurden noch die Filter am Motor und der Impeller gewechselt, Ölwechsel soll es erst im Wasser geben. Wenn sie meinen …..

Ach ja, das Dinghy, also quasi mein Tochterboot, das war auch noch so ein Thema. Dem ging immer so schnell die Luft aus, was mich persönlich ja auch nicht wirklich verwundert. Und die beiden Aussenborder sind auch schon längst in den Streik getreten. Die 3 werden jetzt überarbeitet, ein Ersatzteil wird in einen Motor eingebaut, extra aus Deutschland eingeflogen und trotzdem passt es angeblich nicht. Bis ein findiger Mechanico auf die Idee kommt, das da so ein Plastikstück vom defekten Teil ans Neue dran gebastelt werden muss. Siehe da, die Aussenborder kehren als geheilt zu mir zurück, das Dinghy bekommt Flicken verpasst und hält fortan wieder die Luft. Schick sieht es trotzdem nicht mehr aus, ist halt auch in die Jahre gekommen, passend zu mir. Kommt halt eine Persenning über die maroden Schläuche. Das der Name der auf der Persenning steht, nicht mit meinem konform geht, macht mir schon gar nix mehr aus. Sind wir halt inkognito unterwegs und es weiss auch nicht jeder, dass da meine Crew grad Landgang macht.

Zu guter Letzt wurde doch tatsächlich ein Termin mit dem Kran vereinbart. Am Samstag soll ich ins Wasser geworfen werden. naja, ich gleite ja eher, Jorge ist schon ein sorgsamer, der wirft mich nicht einfach so in die Plörre. Trotzdem ärgert mich das etwas, hat mich einer gefragt, ob ich das wirklich will????

Der Samstag kommt, der Kran auch. Ich werde in die Gurte gepackt, meine Stützen unter mir weg gezogen, ich schwebe. Was für ein Gefühl der Leichtigkeit!! Posaunentöne begleiten meine kurze Fahrt vom Stellplatz zur Kranbox. Langsam senkt sich mein Kiel Richtung Wasser … hi, das ist kalt und kitzelt!! Ich beschliesse: ich will da nicht rein! Das Getriebe ist ganz meiner Meinung und lässt durch den verdreckten Anschluss zu Motor und Welle erstmal ordentlich Wasser ins Schiff. Ratzfatz geht da der Daumen hoch …. in diesem Fall heisst das: raus aus dem Wasser! Ätsch, gewonnen!!!

So ganz sind SIE aber noch nicht überzeugt. Wobei ein Teil der SIE, nämlich sie an Land steht und die ganze Aktion fotografisch dokumentiert.

Charly, der Motormechaniker, betritt die Szene bzw. tritt erstmal so fest auf den Badeleitergriff an meinem Heck, dass dieser samt einem guten Stück Holz aus selbigem bricht. Ein Loch ist im Eimer …. ich könnt ko……!

Nochmal ins Wasser – sie geben einfach nicht auf -immer noch Wasser im Schiff (klar, wieso soll das auch einfach aufhören??), dann geht es wieder an Land, zurück zu meinem letzten Stellplatz. Die Stützen und das zurück gebliebene neue-alte Dinghy lachen sich kaputt und finden, das sei ja ein kurzer Ausflug gewesen. Die sind blöd, finde ich. Und irgendwie auch albern.

Charly kommt und trennt Getriebe vom Motor, Alfonso zerrt an meinem Propeller samt Welle rum. Och Mann, geht das nicht etwas liebevoller?? Irgendwann ist alles auseinander gebaut, irgendwas wird mitgenommen, gereinigt und gemalert. Der Rest vom Fest liegt dekorativ mitten im Durchgang bzw. vorm Niedergang und zwingt SIE zu sportlichen Einlagen beim Weg ins Bad oder nach unten. Tja, ich helf euch schon noch auf die Sprünge!

Am nächsten Tag kommt Charly wieder und bastelt alles zusammen. Sieht ganz gut aus. Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich jetzt wieder in die Gurte komme und ins Wasser soll. Mein Deck wird nochmal geschrubbt, der Wassertank gefüllt (warum das dauert das so endlos lange, was haben die denn für einen Wasserdruck hier?) und dann tanzt der Kran schon wieder an. Samt Mannschaft. Sie – also Sie – sitzt etwas abseits, misstrauisch. Zu Recht.

Als erstes pappt mein Antifouling an einigen Stellen an den Stützen fest. Die so entstandenen „Löcher“ füllt der emsige Dayro aber gleich wieder auf. Derweil sitzt oder steht die ganze Krantruppe drumherum, lacht sich eins, gibt gute Ratschläge und hat überhaupt unverschämterweise die Ruhe weg. Drüben im Schatten wird das Gesicht von IHR allerdings lang und länger. Da kann auch der gute Jose nicht wirklich für Aufheiterung sorgen.

Dann ist genug gemalert und ausgebessert, ich entschwebe leichtfüssig Richtung Wasser. Sie hält sich dezent zurück. Dann werde ich wieder in diese eklige Brühe abgelassen. Bäh, ich will das nicht! Was könnte ich mir denn noch einfallen lassen?? ….. Aaaah, da war doch was mit dem Kühlschrank…. ja genau, ein bisschen Wasser durch den Borddurchlass bzw. das Ventil sickern lassen, das ist nicht ganz so schlimm, kommt aber bestimmt nicht gut an. Gesagt, getan. Und Tatsache: schon werde ich wieder nach oben gehievt. Geht doch!

Dinghy und Stützen sagen nix, grinsen nur. Der Rest der Mannschaft grinst nicht wirklich, die Mienen sind eher verbittert. Sch…. ob das jetzt zuviel des Guten war??? Da werden doch tatsächlich am Abend schon wieder Verkaufspläne diskutiert!!!! Oh Schreck, so war das doch nicht gemeint!

Über mir steht der Vollmond und der Wind zerrt an der Folie der Krangurte. Die liegen immer noch um meinen Bauch. Die werden mich doch jetzt nicht aus Rache mit dem Loch in meinem Bauch ins Wasser lassen??? Ohhe, ob ich wohl gut schlafen kann diese Nacht, beim dem dicken Mond und den Aussichten???

Sie schläft dagegen gut, steht aber schon früh auf, rührt Pfannkuchenteig fürs Frühstück an. Geniesst die kühlsten Stunden des Tages und wirkt ganz entspannt. Etwas später rückt dann der unermüdliche Dayro an und repariert meinen leckenden Borddurchlass. Der Versuch des Skippers, schon heute eine 3. Kranaktion zu starten wird aber dann dankenswerter Weise von IHR im Keime erstickt. Jawoll, setz Dich durch, Frau! Unnachgiebig besteht sie auf längerer Trocknung der Abdichtung und einer Wasserung am morgigen Tag. Die Männer knicken ein vor so viel Frauenpower und der Kran wird abgezogen.

Ob ich jetzt brav bin oder mir doch noch ein Schmankerl für morgen einfallen lasse, das erzählt sie euch dann bestimmt wieder brühwarm, ich geniesse jetzt den Abend. Vielleicht meinen letzten auf dem sicheren Boatyard, im trockenen und ohne das nervige Geschwabbel um mich herum und das Gezuppe der Muscheln, die sich schon wieder an meinem Rumpf festsetzen wollen.

von Elke Hofmann / am 22.01.2018 / in
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